Johannes Hans A. Nikel
Verleger, Autor, Publizist, Herausgeber, Gründer der literarisch-satirischen Zeitschrift Pardon, Bildhauer und Maler.

  • Johannes Nikel laut Geburtsurkunde, Hans A. Nikel: als Publizistenname. * 23.2.1930 in Bielitz/ Oberschlesien.
  • Publizistisch tätig schon mit 13 als Schülerzeitschriftengründer : Nikel gelingt, dass es die einzige nicht-lizensierte, nicht-kontrollierte Zeitung im Dritten Reich ist, weil er sie nicht öffentlich verteilt oder verkauft, sondern über den Postversand verbreitet. Darauf hatte die Schulleitung keinen Zugriff. Zeichnerische und satirische Elemente bestimmen das Blatt. („ Ein Vorbote von PARDON“ ). Zugleich – neben der Schule – zahlreiche Reportagen in der „Oberschlesischen Zeitung“. Möglich, weil ältere Journalisten beim Militär.
  • Mit noch nicht 15 in der Endphase des Krieges zum Einsatz bei den Nachrichtentruppen in die Slowakei (Polhora) abkommandiert. Traumatische Erfahrungen im Partisanengebiet und auf der Flucht in eisigen Waggons bei Tieffliegerangriffen mit gerade noch geretteten nachgeborenen Brüdern (½ und 2½ Jahren) nach Schwarzenberg ins Erzgebirge. Dort das lichterloh brennende Dresden passiert, angeschmorte Flüchtende aus Dresden berichten, der Krieg tobte weiter, Nikel mitten darin. Seitdem Beschluss, alles nur Mögliche gegen Kriege und Kriegsherren zu unternehmen.
"Erbärmliche Hunger- und Kältezeit"
  • Schwerarbeit für ein paar Kartoffeln und trocken Brot. Vom Erzgebirge nach Erfurt, wieder Schülerzeitung „Unser Blick“ mit u.a. Reinhard Lettau und Manfred Herz. Erste Begegnungen mit der Demokratie – und gleich deren Pervertierung durch neuen Diktaturbeginn. Honecker damals Vorsitzender der „ Freien Deutschen Jugend“ (FDJ), Aufmärsche, Ergebenheitsadressen, Fahnenaufzüge für oder gegen etwas, es musste marschiert werden.
  • Dagegen erfindet Nikel eine Art (Ghandi-) Widerstandsmethode: Zwar mitmarschieren, aber im Trauerschritt, demonstrativ langsam, Hände auf dem Rücken, gesenkte Köpfe. (Cohn-Bendit viele Jahre später: „Das hätte mir einfallen müssen!“). Mitschüler machen mit. Entsetzen der SED und Beschlüsse über Schulverweise. Nikel robbend über die grüne Grenze, - eine bessere Form der Demokratie im Sinn.
1. Liebe (15, 17) später 1. Ehe Wohnen im Verlag, ohne Bad, aber im Kopf: PARDON-Plan
Nikel, Fischer, Lissner: Drei fürs gesamte FR-Feuilleton
  • In Frankfurt, Juni 1948, Abitur acht Tage vor der Währungsreform. Kein Job, kein Geld, Aushilfs-, Nachtwächtertätigkeiten, aber Traumziel: Journalismus. Erreicht! Nach Ausbildung bei der „Süddeutschen Zeitung“ Redakteur für Politik und Kultur bei der „Frankfurter Rundschau“. Ermöglicht durch redaktionelle Früh-, Spät- und Nachtarbeit gleichzeitig und anschließend neun Semester Studium bei Horkheimer und Adorno: Soziologie, Philosophie, außerdem Volkswirtschaft. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung und freier Autor für FAZ und HR.
"Nikel gehörte zu den Persönlichkeiten, die in der deutschen Nachkriegsrepublik den Ausbruch aus provinzieller geistiger Enge prägten"
  • Für die FR betreute Nikel Thomas Mann, als dieser nach Frankfurt kam, in der Paulskirche sprach und die FR besucht. Darüber eigene Artikel und Berichte. Erste Leitartikel. Die FR am 6.12.2001: „Von dieser Zeit an gehörte Nikel zu den Persönlichkeiten, die mit ihrem öffentlichen Wirken den kritischen Zeitgeist der deutschen Nachkriegsrepublik und den Ausbruch aus provinzieller geistiger Enge prägten.“
  • Nikel gründet, gestützt durch seine Volkswirtschaftprofessorin Charlotte von Reichenau und mit seinem fast gleichaltrigen SZ-Journalisten-Kollegen Erich Bärmeier 1951 die „ Deutsche Verbrauchervereinigung“. Das Ziel, den Leitsatz der Marktwirtschaft auf den Prüfstand zu stellen, wonach Angebot und Nachfrage den Markt bestimmen. Der Markt war bis dahin ausschließlich vom Angebot bestimmt. In direkter Folge dieser Bärmeier-und-Nikel-Initiative entstanden die ersten deutschen Verbraucherzentralen.
  • Mit Idealismus und kaum Geld gründeten beide den 14täglich erscheinenden „Preisbeobachter“. Sie recherchierten und schrieben ihn fast vollständig selbst, verbreiteten und verkauften ihn im Frankfurter Stadtgebiet und in gerade haltenden Straßenbahnen. -1966 brachten Nikel und Bärmeier die Verbrauchzeitschrift „DM- Deutsche Mark“ heraus. Das eigene Testinstitut wurde offizieller Vorläufer der Stiftung Warentest.
Bärmeier & Nikel begründen den Verbraucherschutz, erst Preisbeobachter später DM
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